Eine starke Berufsschule für qualifizierte Fachkräfte

Oberstudiendirektor Andreas Loibl ist neuer Leiter des Berufsschulzentrums Regen. Selbst einst Schüler dort, schloss er sein Maschinenbaustudium mit Auszeichnung ab und studierte später Berufspädagogik – als Jahrgangsbester. Die Diplomarbeit wurde von der IHK ausgezeichnet. Die Welt stand ihm offen, aber er entschied sich für Niederbayern und dafür, hier junge Menschen zu begleiten.

Schulalltag

Wie erleben Sie das Berufsschulleben heute?

Das Berufsschulleben ist heute geprägt von großer Vielfalt und von einer sehr dynamischen Entwicklung der Ausbildungsberufe. Unsere Schülerinnen und Schüler kommen mit unterschiedlichsten Voraussetzungen, Erwartungen und beruflichen Perspektiven zu uns. Das macht den Schulalltag anspruchsvoll, aber auch äußerst lebendig. Aber auch die Anforderungen an die Ausbildungsinhalte verändern sich. Als Berufsschule nehmen wir im dualen Ausbildungssystem eine zentrale Rolle ein: Wir ermöglichen den Erwerb von fachlichen, methodischen und persönlichen Kompetenzen, die junge Menschen für einen erfolgreichen Berufsweg benötigen – und verbinden Theorie und Praxis auf einem qualitativ hohen Niveau.

Welche Lern- und Arbeitsformen prägen den Unterricht?

Unser Unterricht setzt stark auf handlungsorientierte, praxisnahe Methoden, digitale Lernumgebungen und individuelle Förderung. Projekt- und Teamarbeit, Handlungssituationen, Lernfeldstrukturen, Simulationen und digitale Werkzeuge gehören zum Standard. Gleichzeitig schaffen wir klare, strukturierte Lernprozesse, damit Auszubildende, Schüler der Berufsvorbereitung sowie Fachoberschüler an unserem Schulzentrum gut vorbereitet in ihre nächste Bildungs- oder Berufsphase starten.

Welche aktuellen Herausforderungen gibt es?

Wir sehen vor allem drei Bereiche:

  • Heterogene Lerngruppen, die verstärkt individuelle
    Förderung erfordern.
  • Weiterentwicklung der Ausbildungsberufe, um die
    Attraktivität dieser zu erhalten bzw. zu steigern.
  • Hohe Anforderungen an Digitalisierung, die Integration von KI und moderne Lernumgebungen.

Hinzu kommt der Anspruch, neue Ausbildungsberufe, rechtliche Vorgaben und technische Entwicklungen kontinuierlich in den Unterricht zu integrieren. Mit Blick auf alle Turbulenzen um uns herum ist neben der reinen Vermittlung von Kenntnissen und Fähigkeiten die Anregung zu Kreativität, kritischem Denken und sozialen Engagement unerlässlicher Auftrag an alle an der Ausbildung beteiligten. Schule muss den Jugendlichen das Handwerkszeug mitgeben, mit dem sie sich zu kritisch denkenden, mündigen Mitmenschen entwickeln können.

Herausforderungen

Welche Belastungen beobachten Sie bei den Schülern?

Viele junge Menschen stehen heute unter Leistungsdruck, müssen Schule, Betrieb und private Verpflichtungen gleichzeitig bewältigen. Zudem verspüren junge Erwachsene häufig sozial-emotionale Herausforderungen, die sie bewältigen müssen und die zu einem Gefühl der Überforderung führen. Wir agieren hier präventiv mit einer möglichst individuellen Förderung unserer Schüler sowohl im Unterrichtssetting als auch in der Organisations- und Personalstruktur unserer Schule. Beratung und gezielte Unterstützungsangebote mit klaren Strukturen sind ein enges Netz und führen dazu, dass Schülerinnen und Schüler sich aufgefangen fühlen.

Die Bildung eines multiprofessionellen Beratungsteams, die Vernetzung über die Schule hinaus und die Kooperation mit den Nachbarschulen sind zentrale Punkte schulischer Unterstützung und nehmen an unserem Schulzentrum eine wichtige Rolle ein.

Zusammenarbeit Betriebe

Wie funktioniert die Zusammenarbeit mit den Betrieben?

Sehr eng und partnerschaftlich. Das duale System lebt vom ständigen Austausch, und diesen pflegen wir durch regelmäßige Gespräche, gemeinsame Ausbildungsbegleitung, Abstimmungen zu Lerninhalten sowie Kooperationen in Projekten. Unsere Berufsschule ist zudem im Modellversuch „CleverClustern“ tätig, in dessen Rahmen die Zusammenarbeit mit den Betrieben nochmals verstärkt geschieht. Die Betriebe geben uns hier wertvolle Rückmeldungen, die wir nutzen, um Unterricht aktuell und praxisnah zu halten.

Welche Erwartungen haben Betriebe an die Schulen?

Betriebe wünschen sich eine Ausbildung, die fachlich solide, praxisnah und verlässlich organisiert ist. Sie erwarten von uns die Vermittlung grundlegender beruflicher Kenntnisse und Fähigkeiten sowie eine transparente, konstruktive Kommunikation. Diese Erwartungen decken sich mit unserem eigenen Qualitätsanspruch.

Zukunft und Entwicklung

Wie kann die Unterrichtsqualität langfristig gesichert werden?

Entscheidend sind gut qualifizierte Lehrkräfte, kontinuierliche Fortbildung und moderne Lernräume in einer Schule mit Willkommenskultur. Besonders wichtig ist uns dabei ein wertschätzender und vertrauensvoller Umgang innerhalb der Schulfamilie und darüber hinaus. Der laufende Neubau unseres Schulzentrums ermöglicht es uns, künftig mit zeitgemäßer Ausstattung, digitaler Infrastruktur und flexiblen Raumkonzepten zu arbeiten. Außerdem setzen wir stark auf multiprofessionelle Teams und eine vertrauensvolle Zusammenarbeit innerhalb des Kollegiums.

Was würden Sie sich für die Zukunft Ihrer Schule wünschen?

Ich wünsche mir, dass das Berufliche Schulzentrum Regen ein attraktiver Lernort bleibt, der jungen Menschen Perspektiven eröffnet und zugleich der Region qualifizierte Fachkräfte sichert. Dazu gehören eine zukunftsfähige Ausstattung, stabile Personalressourcen und eine weiterhin enge Vernetzung mit Ausbildungsbetrieben, Kammern, umliegenden Schulen und regionalen Partnern.

Unser Ziel ist klar: eine starke Berufsschule und eine leistungsfähige Fachoberschule, die gemeinsam einen wichtigen Beitrag zum regionalen Bildungs- und Wirtschaftsstandort leisten.

Artikelnr: 271858